Stella und Desiree, die in den 50er-Jahren in Louisana geborenen Zwillinge, wachsen an einem Ort auf, der zu klein ist:
Zu klein, um als eigenes Dorf zu existieren, zu klein, um sich selbst zu finden, zu klein um zu bleiben. Mallard ist ein Ort der Geschichte und des Stolzes, ein Ort, an dem die Schwarze Gemeinde
die Hellhäutigkeit pflegt, ein Ort, an dem die Schwarzen den Weissen unterlegen sind.
Stella und Desiree, gerade 16 geworden, verlassen Mallard, ziehen nach New Orleans und brechen mit der unbrechbaren
Einheit, als die sie bis dahin wahrgenommen wurden.
Die eine arbeitet an einer Stelle, die den Weissen vorbehalten ist, heiratet einen Weissen und lebt - von der eigenen
Familie abgekehrt - ein Weisses Leben. Die andere gründet eine Familie mit einem Schwarzen, kehrt mit ihrer
Tochter zurück nach Mallard ins Haus ihrer Mutter. Sie ist willkommen, ihre Schwarze Tochter Jude erlebt in der eigenen Gemeinde Ausgrenzung.
Die verschwindende Hälfte begleitet die Leben der Zwillinge, begleitet Judes Leben. Es erzählt die Geschichte von Frauen
auf der Suche nach ihrem Platz, nach ihrer Identität. Die verschwindende Hälfte erzählt auch die Geschichte von unbesetzten, verlassenen Plätzen im Leben anderer. Es ist eine Geschichte vom
Missen, Vermissen, Loslassen, Annehmen und Akzeptieren. Es ist die Geschichte von Rassismus, Diskriminierung und Privilegien.
Der Roman berührt, macht sprachlos, liest sich unangenehm - auf die beste Art und Weise! Isabel Bogdan und Robin Detje
ist eine hervorragende Übersetzung gelungen. Die Sprache ist unbemüht treffend und eindringlich: ein grosser Lesegenuss.
Leseexemplar, kostenfrei vom Verlag
Die verschwindende Hälfte, Brit Bennet aus dem Englischen von Isabel Bogdan und Robin Detje (im Original The Vanishing Half)
416 Seiten
erschienen im September 2020 beim Rowohlt Verlag
ISBN: 978-3-498-00159-9
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